Tischtennis-Saison beginnt am Wochenende ohne Doppel

Coronabedingt steht den hiesigen Tischtennis-Spielern eine besondere Saison bevor. Unter anderem werden keine Doppel in dieser Spielzeit ausgetragen.

Die Tischtennis-Saison kann starten: Das hat der Deutsche Tischtennisbund (DTTB) für die unter seinem Dach organisierten Klassen von der Oberliga bis zur Bundesliga entschieden, kurz danach zog der Landesverband TTVN für die Klassen bis zur Verbandsliga nach. Für alle Ligen gelten allerdings zumindest für die Hinrunde coronabedingte Änderungen. Die sportlich einschneidendste davon ist der Wegfall der Doppel. Dadurch fallen die Spiele unter die gesetzlichen Regeln für kontaktlosen Sport, und die Verbände erhoffen sich größere Chancen, die Halbserie auch bei möglichen Einschränkungen durchspielen zu können.

Als Ausgleich werden alle im jeweiligen Spielsystem möglichen Einzel durchgespielt, auch wenn eine Mannschaft schon genügend Punkte für den Sieg gesammelt hat. Was halten hiesige Spieler von dieser Regeländerung? „Ich hätte lieber mit Doppel gespielt, was ja nach aktueller Verordnungs-Lage auch möglich gewesen wäre. Es wird schon etwas fehlen, der Charakter der Spiele dadurch verändert“, meint Felix Lingenau vom Oberligisten TV Hude. Gleichwohl akzeptiert er die Entscheidung. „Es ist eben eine besondere Situation, in der man auch Kompromisse machen muss. Das Wichtigste ist, dass wir überhaupt wieder spielen können“, erklärt er.

Nur Einzel, dafür mehr

Auch Marco Stüber aus Hudes zweiter Mannschaft glaubt, dass er die Doppel vermissen werde. „Optimal erscheint mir das nicht. Aber vielleicht gewinnt das Spiel ja sogar eine neue Qualität auch dadurch, dass alle Einzel durchgespielt werden“, hofft er. Einzel, die nur noch für das Spielverhältnis zählen, könnten zwar auch langweilig werden, „aber zum Glück gibt es noch den TTR-Wert, der vielen Spielern ja doch wichtig ist.“ Für die Huder Reserve sei der Wegfall der Doppel eventuell ein Nachteil, meint Stüber und erklärt: „Ich glaube, wir hätten gute Doppel gehabt, wir haben auch direkt, als das wieder erlaubt war, viel dafür trainiert.“ Beim Bezirksoberligisten VfL Wildeshausen dagegen waren die Doppel zuletzt eine Schwäche. „In den letzten zwei Jahren haben wir da nicht unbedingt geglänzt“, gibt Kapitän Martin Hakemann zu. In der abgelaufenen Saison kam der VfL bei 101:84 Einzeln tatsächlich nur auf 19:40 Siege im Doppel. „Wir hatten uns aber etwas überlegt, womit wir das verbessern wollten. Das hat sich jetzt erledigt, aber vermutlich ist der Wegfall für uns nicht unbedingt negativ“, glaubt Hakemann. Positiv findet er, dass die Einzel durchgespielt werden. „Gerade für die Spieler im unteren Paarkreuz ist das gut. Es gibt ja doch teilweise sehr lange Auswärtsfahrten, die sich für ein Einzel kaum lohnen. Und das Spielverhältnis kann ja auch wichtig werden“, erklärt er.

Gleich drei Einzel wird nun jede Spielerin der SG Jahn/Delmenhorster TB machen. In der Damen-Bezirksoberliga wird im sogenannten Werner-Scheffler-System gespielt, in dem drei Einzelrunden möglich sind. Die beiden Doppel hatten darum sowieso schon einen geringeren Einfluss auf das Ergebnis als bei den Männern. „Eigentlich hatten wir auch meist ziemlich ausgeglichene Doppelbilanzen. Für unsere Ergebnisse wird der Wegfall vermutlich nicht allzu entscheidend sein“, blickt Mannschaftsführerin Irene Dölle voraus. Die Bezirksoberliga-Partie am kommenden Sonnabend gegen den SV Wissingen wird das erste Spiel der Saison im Kreisverband Delmenhorst/Oldenburg-Land sein.

Bis dahin gibt es allerdings noch einigen Klärungsbedarf. Während der DTTB für seine Klassen recht klare Regeln erlassen hat – wie eine Maskenpflicht für alle in der Halle Anwesenden, die gerade nicht spielen –, hat der TTVN das zum Beispiel nur empfohlen. Entscheidend sind dann die örtlichen Regeln und Konzepte der Kommunen und Vereine. „Das ist sehr schwer, da ein ausgewogenes Konzept zu finden, eine Linie, die man dann auch allen Spielern vermitteln kann“, befürchtet Dölle.

Bei der SG sollen darum auch die Mitglieder befragt werden. Das plant der TV Hude ebenfalls, auch hier wird an einem Hygiene-Konzept für die Ligaspiele gefeilt, schon am Sonntag empfängt schließlich die dritte Mannschaft in der Bezirksoberliga den VfL Wildeshausen. Regeln zum Tragen von Masken, zum Reinigen der Spielmaterialien oder auch zu Spielpausen zum Lüften der Halle werden nicht überall auf Gegenliebe stoßen, das scheint auch den Verbänden bewusst zu sein. „Uns allen ist klar, dass keine normale Saison bevorsteht. […] Unser Ziel war es, der großen Mehrheit der Aktiven, die gerne am Spielbetrieb teilnehmen möchte, dies zu ermöglichen“, wird TTVN-Geschäftsführer Heinz Werner Löwer auf der Homepage des Verbandes zitiert.

Annullierung nicht ausgeschlossen

Gleichwohl rechnet der TTVN anscheinend damit, dass einigen Spielern die Regeln zu weit oder auch nicht weit genug gehen, und sie auf Ligaspiele verzichten werden. Darum wurde beschlossen, dass keine Ordnungsgelder für unvollständiges oder Nicht-Antreten (bei rechtzeitiger Information) fällig werden. Auch führt mehrfaches Nicht-Antreten nicht zur Streichung der Mannschaft. Rückzüge ganzer Teams sind in dieser Spielzeit kostenfrei und führen nicht wie sonst dazu, dass Mannschaften beim Auffüllen von Klassen nicht berücksichtigt werden. „Es ist durchaus realistisch, dass wir (zum Beispiel aufgrund von behördlichen Vorgaben oder Veränderungen im Infektionsgeschehen) kurzfristig reagieren müssen. Dies könnte dazu führen, dass eine Unterbrechung der Saison oder notfalls auch ein Abbruch (Annullierung) der Saison erforderlich wird“, schließt TTVN-Geschäftsführer Löwer auch den schlimmsten Fall nicht grundsätzlich aus.

Von Andreas Lehmkuhl 03.09.2020 Link